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Die Moritat vom Sackpfeifer und der Pest


Eines sei noch zu vermelden, aus Zeiten da die Pest gehaust, dieweil die ganz' Stadt darob gelacht.
Da zu jener Zeit ein gross Sterben anhub, erscholl Tag und Nacht das Gerumpel der Pestkarren in den Gassen, auf welchen die Stadtknechte die Toten zum Gottesacker daselbst gebracht.
Es begab sich, dass diese vor dem Hause der Gillmayern ein wunderlich Gestalt auffanden, welche stumm und steif dagelegen, das Haupt auf einer Sackpfeiffen niedergetan.
Was selbige auch mit ihm getrieben, gab er doch kein Laut von sich, und tat sich nit mehr regen.
Darumb sie ihn auf den Karren geworfen zu andern , und mit den Toten zum Tore hinaus auf den Anger
gefahren; daselbst jene in eine Grube getan, sambt der Sackpfeiffen.
Itzo aber, war der wunderlich Gesell' gar nit tot gewesen, sundern nur dem Trunke erlegen, wie er getan aus Freud', dem Schnitter zu entrinnen. So ist er nun im Rausche gelegen, bei den Toten, bisdass ihn das helle Licht der Sonn' geweckt.
Wie er nun bemwerkt an welch ' Ort er sich befindt, packt' ihn das Grausen, und flugs wollt' er fortspringen. Doch war die Gruben um etliches zu tief, sodass er jammerlich um Hülfe rief. Doch vernahm sein Wehklagen kein' lebendige Seel; da die Pestgruben ein schröcklich Ort, den ein jeglicher fliehet.  So sann er, und bald fiels ihm ein: die Sackpfeiffe blies er, so trefflich er nur kunnt - nit lang darauf kam ein Pursch des Wegs geschritten, welcher den Pfeiffengesell mit einem Kuhstricke aus dem Totenloche gezogen, welcher arg erschrocken.
Die Moritat lief bald von Haus zu Haus, und hat lachend mehr gesund gemacht als Kraut und Rauch!

alte Sage  aus Nürnberg




               Die Moritat vom lauten Nachbarn        

Die Plage


Dies ist die Nachbarsplage, woran man schnell verzage.
Hirnlos ist der Kopf, rasiert der blonde Schopf.
Winzig ist sein Gestalt, mächtig sein Klangspiel schallt.
Auch schwer er hören tut, daß den Nachbarn packt die Wut.
Den Knopf im Ohr, die Nas, die steht hervor, so braust der Jüngling mit dem Veloziped,
weil nicht gern zu Fuß er geht.
Ist jedoch der Knab' zu Haus
, so dröhnt's aus sein' Gemach heraus.
Und zwar mit Basses Wucht, daß solches sein Gleiches sucht!
Dies treibt er ohn' Unterlass, und lauschet Tag für Tag, sein' Monsterbass.
So man ihm darob wehrt, spricht sein' Oma, dies sei verkehrt.
"Der arme Bub", sie spricht, der stört doch nicht.
Man schließe nur die Fenster zu, und hab' sogleich sein Ruh'.
Allein, es hilft dieses nicht, lauter ist der Diskowicht.
So schallt es munter bumm, bumm, bumm; Jahr für Jahr, man wähnt, man werde dumm.
Der Nachbar denkt, im Krieg er wär',
der Feind, der schöß mit der Kanon' gar sehr.
Auch grüßt der Knabe nicht, huscht vorüber, dieser Wicht.
Mahnt endlich der Gendarm zur Ruh', tobt die Oma auf der Gass im Nu.
Unverschämt man doch sei, daß man diesen rief herbei.
Jener spricht,"Wieder bin ich hier, jetzt ist Schluss, das sag ich dir".
Doch ist der Gendarm erst fort, dröhnt's munter aus des Knaben Hort.
Das Glas vibriert, die Luft die brennt,
der Nachbar aus dem Hause rennt.
"Zu Hilf'" , ruft er
verstört, daß man leiser 'Musik' hört.
Doch als die Oma dies vernimmt, den Nachbarn sie beschimpft ergrimmt
.
"Man schäme sich" ruft sie aus, und weiter geht der Disko-Graus.
Der Nachbar verlässt sein Haus in Flucht, an fernem Ort er seine Ruhe sucht.
Doch ist er daheim wieder angelangt, wird ihm sogleich viel abverlangt.
Am Sonntag ist der Knab' allein zu Haus, morgens schon dröhnt's laut heraus.
"Nun ist's gnug, ich kann nicht mehr", verzweifelt aus der Nachbar ruft.
Beistand, der muß her, Hilfe man nun bei Amte sucht
.
Von welchem man zwar Briefe schreibt, der Knab' es jedoch auf die Spitze treibt.
Man rät von Amt's zum Advokaten zu, daß dieser Panier ergreif, und klagen tu'.
Der Nachbar, welcher Advokaten gar nicht mag
, sitzt still zu Haus, "Nein", er denkt,"ich verzag".
So geht ins Land die Zeit, der Nachbar, der ist bald soweit, daß er nähm zur Hand  das Schießgewehr,
und damit dem Knaben wehr.
So, er denkt , mit dem Verdruß, sei nach der Tat dann Schluß.
Jedoch, es fehlt der Mut,
er hofft, irgendwann, mit des Knaben Tod, wird alles gut.
Doch sterbet mitnichten dieser Schuft, verpestet weiter seiner Nachbarn Luft
.
Da hülf' doch nur, daß man sein Gehäus verkaufe, und Hals über Kopf von dannen laufe.


                 
      Eine wahre Begebenheit, aus der Ansbacherstrasse zu Eschenau




Die Moritat von der Unwucht


Die Unwucht

Ein garstig' Ding ist wohl die Unwucht, wenn man jäh von dieser heimgesucht.
Den einen plagt sie in des Rades Rund, und tut diesem durch leichtes eiern kund,
daß sie emsig tätig sei, bevor sie treibt das Rad entzwei.
Auch bemerkt man sie hin und wieder, durch leichtes auf und nieder.
Dem andern das Sägen sie verleidet, wenn das Blatt unkommod nur schneidet.
Auch beim Schleifen es gefährlich ist, wenn sie an rundem Steine frisst:
mit lautem Knall springt die Scheib' entzwei; mit dem Schleifen ist's vorerst vorbei.
Auch in des Motor's Gehäuse
, sorgt mitunter sie für Geräusche.
Wenn der Monteur hier nicht Obacht hat, zertreibt's ihm manch gezähntes Rad.
Groß ist der Schaden nun, durch der Unwucht schädlich tun.
An der Nocke Rund sie jedenfalls zu loben sei, lenkt und steuert sie damit doch mancherlei.
Wirkt sie im Gemüt jedoch am Tage, hat sie zur Folge, daß man des Nachts verzage.
Unleidlich man geht einher, Unwucht plagt die Seele schwer.
Drum sei man stets bedacht,
daß man runde Sachen macht.

HK



                              


Die Moritat vom Ulenspiegel



Wie Eulenspiegel ein Hofjunge wurde und ihn sein Junker lehrte, wo er das Kraut "Henep" fände, solle er hineinscheißen; da schiß er in den "Senep" und meinte, "Henep" und "Senep" sei ein Ding.

Bald kam er auf eine Burg zu einem Junker und gab sich als Hofjunge aus. Er musste gleich mit seinem Junker über Land reiten. Am Wege stand Hanf; den nennt man im Lande Sachsen Henep. Der Junker sprach zu Eulenspiegel, der die Lanze seines Herrn trug: "Siehst du das Kraut, das da steht? Es heißt "Henep." Eulenspiegel sprach : "Ja, das sehe ich wohl." Da sprach sein Junker: " Sooft du daran vorbeikommst, so scheiße darein einen großen Haufen! Denn mit dem Kraut bindet und henkt man die Räuber und die, die sich ohne Herrendienst aus dem Sattel ernähren. Das geschieht mit dem Bast, der aus dem Kraut gesponnen wird." Darauf sprach Till:"Ja gern, das werde ich tun."

Der Junker ritt mit Eulenspiegel hin und her in viele Städte, und half rauben, stehlen und nehmen, wie es seine Gewohnheit war.
Eines Tages begab es sich, daß sie zu Hause waren und still lagen.
Als es Imbisszeit wurde, ging Eulenspiegel in die Küche. Da sprach der Koch zu ihm: "Junge, geh in den Keller, da steht ein irdener Hafen, darin ist Senep (Senf, so auf sächsich genannt), den bring mir her!" Dieser sagte ja, und hatte doch seiner Lebtag noch keinen Senf gesehen. Und als er in dem Keller den Topf mit dem Senep fand, dachte er: was mag der Koch damit tun wollen? Ich meine , er will mich damit binden. Und er dachte weiter: mein Junker hat mich geheißen, wo ich solches Kraut fände, sollte ich hineinscheißen. Und er hockte sich über den Topf mit Senf, schiss ihn voll, rührte um und brachte ihn so dem Koch.
Was geschah? Der Koch machte sich keine weiteren Gedanken, richtete eilends in einem kleinen Schüsselchen den Senf an, und schickte ihn zu Tische. Der Junker und seine Gäste tunkten in denselben: der schmeckte ganz übel. Der Koch wurde geholt und gefragt, was er für Senf gemacht habe. Und der Koch kostete auch den Senf, spie aus und sprach: "Der schmeckt als wäre darein geschissen worden." Da fing Eulenspiegel an zu lachen. Sein Junker sprach: "Was lachst du so spöttisch? Meinst du, wir könnten nicht schmecken, was das ist? Willst du es nicht glauben, so komm und schmeck hier den Senep auch!" Darauf sprach Till: "Ich esse das nicht. Wisst Ihr nicht, was Ihr mich geheißen habt am Feld an der Straße? Wo ich das Kraut sähe, so sollte ich dareinscheißen, denn man pflege die Räuber damit zu henken und zu erwürgen. Als mich der Koch in den Keller nach dem Senep schickte, habe ich darein getan nach Eurem Geheiß." Da sprach der Junker: "Du verwünschter Schalk, das soll dein Unglück sein! Das Kraut, das ich dir zeigte, das heißt Henep. Was dich der Koch bringen ließ, heißt Senep. Du hast das aus Bosheit getan!" Und er nahm einen Knüppel und wollte ihn damit schlagen. Aber Eulenspiegel war behänd, entlief ihm von der Burg und kam nicht wieder.

Hermann Bote

nach 1500





- so uns weitere Moritaten zu Gehör, (oder in den Sinn) kommen, trachten wir danach, selbige dahier zur Ansicht zu bringen -

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HK