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Pfeifferrecht

   
 


 

 

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Das Pfeifferrecht
  - ein Reichslehen seit 1355

-die Spielleute - verdammt und hochverehrt-

Verdammt und hochverehrt, das waren wohl die Spielleute des Mittelalters, als sie nach den Kreuzzügen durch die Lande zogen, und niedere und obere Stände mit ihrer Darbietung kurzweilten, und Neues zu Gehör brachten. Verdammt, da sie als Fahrende keinen Grundherren zu Untertan waren, und  wohl Liderlichkeit und  Schändlichkeit zunahmen, und  so im Volksmund die Redewendung entstand 'Pfeiffer und Lumpen wachsen auf einem Stumpen'.
Hochverehrt, da sie Abwechslung und musikalische Darbietungen in einen tristen Alltag ohne Radio und Tonträger brachten. Die so außerhalb der Gesellschaft stehenden und von Adel und Klerus verachteten nannte man bald 'varende Lüte, Pfiffer und andere erlose, onechte Lüte'. Diese trieben es wohl immer bunter, und wurden schließlich für rechtlos erklärt, und  mit dem Kirchenbann belegt.
Diese Zustände hielten bis zum Jahr 1355 an, als Kaiser Karl IV. zum Schutze der 'ersamen' Spielleute  alle Fahrenden "Trommelschleger, Geiger, Zinkhenblässer oder was der oder die sonsten für Spiel und Kurzweil treiben khennen" unter seinen Schutz nahm, ihnen ihr eigenes Wappen gab, und gar einen 'Johann den Fiedler' zu ihrem Oberhaupt, dem "Rex omnium histrionum" ernannte.
Zu jener Zeit dürften auch die sog. Bruderschaften der Fahrenden, Spielleute und Gaukler entstanden sein, welche unter dem Patronat von weltlichen und geistlichen Fürsten standen; im Jahre 1385 ernannte z. Bsp. der Erzbischof von Mainz einen 'König farender Lüte'. Dieses Patronat wurde als Reichslehen  vom deutschen König an die Regionalherrscher vergeben. 1431 wird zum ersten Male ein 'Pfeifferrecht' urkundlich erwähnt, und 1481 von Kaiser Friedrich III. bestätigt. Ein weiteres mal urkundlich erwähnt wird ein Pfeiferkönig im Jahre  1456, als Wilhelm von Rappoltstein den Meistern der Bruderschaften aufträgt, sich "vff Mittwuch nach sant Martinstag" zur Huldigung der Lehnsherren und dem neu ernannten Pfeiferkönig "Trumpter Jorge Bumann" einzufinden. Ernannt wurde der Pfeiferkönig von den Schutzherren, und seine Amtszeit "Ambacht des Künigrichs varender Lüte", währte in der Regel 1 Jahr. Ihm standen 4 Meister, darunter der Fähnrich, die Zwölfer und ein Waibel zur Seite.
Erstmalig belegt ist eine eigene Pfeifer-Gerichtsbarkeit im Jahre 1454, als ein Streit zwischen einem Fuhrmann und dem Pfeifer Veltin Starzer nach Anhörung durch den "Künig der Pfeiffer" Georg Hock an "das  Pfeiffergericht verwießen"  wird. Der Pfeiferkönig war durchaus in der Lage Fahrende zu richten, und die Ausführung des Urteiles vom Lehensherren einzufordern. Ebenfalls dürfte er in der Lage gewesen sein. mit anderen Herren zu rechten; oberste Instanz war dann der deutsche König.

Von den Lehnsherren wurden Satzungen erlassen, um der Ordnung zu pflegen;  Auszug aus einer solchen aus dem Jahr 1494:
"Nachdem die Sazungen der Pfeiffenspiler, Pfeiffer und Spilleut einig Jar her in etwas Abgang kommen, so haben wir die alt Ordnung und löblich Gebrauch von wegen des Richs wiederumb erneuert und bestaetigt, wie folgt:
- Erstlichen, kein Saitenspiler, Pfeifer oder ander Musikmacher sol weder zu Tag oder Nacht, auf der Straß oder in den Heussern, bei Kurzweil, in der Lehr oder außer der Lehr, noch auf einig ander Weis bei Tisch oder Tanz um Lohn, Geschenk oder Gabe spilen, es were dann, er sei vorher in unser Bruderschaft aufgenommen. Gleiches mit den varenden Lüten. Wer dagegen kommt, wird gestraft und nimt man ihm das Spil.
- Jeder Bruder soll einen gestabten Eid geschworen, dem König und der Bruderschaft hold und gewärtig zu sein.
- Er muß für ein Stadt 2 Jar gelernt haben, für ein Dorf ein Jar.
- Jeder Bruder erscheint auf dem Pfeifertag, wo der König wird anzeigen, und zahlt sein Jargeld mit 12 Batzen unterlendisch ohn dem Schreiberlohn und dem Zedul.
- Kann ein Bruder durch Leibs oder Herren Noth nit auf den Pfeifertag kommen, so muß er es durch gut Zeugnis erweisen und das Jargeld sammt der Irten, das ist das Zehrgeld, senden, als wann er mit esse.
- Ein Bruder soll dem andern das Spil und die Schüler nit abspannen, noch
- Zu Mahlzeit, Tanz, Tag- oder Nachtspil in dem Hauss oder auf der Gaß spilen, er wöre denn dazu berufen.
- Hat Jemand einen Saitenspiler oder Pfeifer gedingt zu Spil, und er dingt darnach wieder einen andern, so soll dieser nit eher spilen, als der erste seines gedungenen Lohnes halb vergnügt ist, als wann er gespilt hätte.
- Alles was Spilleut oder Bruderschaftssach ist, in Richs oder anderen Orten, auch Scheldwort wegen Bruderschaftssach, gehört für König und Gericht.
- Es ist dahero jeder Spilmann in des Orten, da er wohnt, seines Spils halber, nit dem Orts Gericht, sondern unserm Pfeifergericht zuerst, alsdann durch den Zug unserm Hofgericht unterworfen.
- Auf dem Pfeifertag soll kein Bruder in einem frembden Ort spilen.
- Stirbt ein Bruder, so ist das best Stück, das er mit gespilt hat, und das Bruderzeichen dem König und der Bruderschaft.

Als Standeskennzeichen, aber wohl auch als Zeichen der Ausgrenzung gegenüber der bürgerlichen wie adeligen Gesellschaft, von Randgruppen wie Dirnen, Henkern, Bettlern, Spielleuten und Juden, wurden von den Obrigkeiten für diese Kleiderordnungen erlassen. Selbige regelten die Qualität und teilweise die Farben der Stoffe. Nicht unüblich scheint das Tragen gelber Kleidungsstücke gewesen zu sein, da Gelb in jenen Zeiten die 'Schandfarbe' war, welche den Außenseitern zugedacht gewesen. 

Zwischen 1700 und 1800 dürften die Bruderschaften einem allgemeinen Niedergang anheimgefallen sein. Im Jahre  1838 starb in Straßburg der vermutlich letzte Pfeiferbruder.



  aus 'Wikipedia'  
bekannt als
'Wiki Petra'





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